Isula

Isula ist eine Serie von zwölf mundgeblasenen Glasstücken, entstanden im September 2015. Obwohl sie mit der gleichen Form aus Holz gefertigt sind, ist jedes Stück dennoch anders und einzigartig. Während nämlich das Holz dem Glas seine Form gibt, verändert es die Form, indem es diese teilweise verbrennt. Genauso wie eine Fotografie ein Motiv zu einem bestimmten Zeitpunkt fixiert, friert das Glas beim Abkühlen ein und zeigt die Form des Reliefs zum Zeitpunkt der Formgebung. Jedes Stück erscheint als Zeuge eines präzisen Moments im Dasein der Form aus Holz, bis zu ihrem völligen Verschwinden. Die Stücke sind bis zum Rand mit Wasser gefüllt, so dass die Grenze zwischen Wasser und Glas unsichtbar ist und die Betrachter:innen sich fragen, ob das Stück nur aus Glas besteht.

Die lineare Installation lässt zwei Lesarten zu: Die erste ist die Geburt der Insel, die aus dem Wasser auftaucht. Sie verweist direkt auf die Entstehung der irdischen Kontinente. Die zweite Interpretation ist der Niedergang der Insel, ihr Verfall, bis zum vollständigen Verschwinden des Reliefs unter Wasser. In dieser Lesart geht es um den Anstieg des Meeresspiegels aufgrund der globalen Erwärmung und um das Versinken bestimmter Orte, wo die Menschen gezwungen sind, ihre Heimat zu verlassen.

Manuel Diemer

Manuel Diemer absolvierte zunächst eine Ausbildung zum Produktdesigner in Straßburg, bevor er sich auf Glasarbeiten spezialisierte; 2013 schrieb er sich am Europäischen Zentrum für Forschung und Ausbildung in der Glaskunst (CERFAV) in Vannes-le-Châtel ein, wo er bis 2015 das Glasblasen mit dem Stock erlernte. Seine ersten Erfahrungen mit diesem Material machte er 2009, am Centre International d’Art Verrier (CIAV) in Meisenthal. Danach war es für ihn klar, mit diesem Material arbeiten zu wollen.

Dem Künstler ist es sehr wichtig zu lernen, mit den eigenen Händen zu arbeiten, sich ein bestimmtes Know-how anzueignen und seine Fähigkeiten in einem bestimmten Bereich zu verbessern. Das Verständnis für das Material erscheint ihm essentiell, um stimmige Projekte im Einklang mit den Fertigungstechniken entwickeln zu können. Die körperliche Arbeit, die Werkstattumgebung, die Hitze der Öfen, der Geruch von Verbrennung und Dämpfen sind die vielen Faktoren, die er bei seinem Schaffensprozess schätzt.

2015 nimmt Manuel Diemer an der Internationalen Glasbiennale in Straßburg sowie an der Ausstellung Vingt-deux (Zweiundzwanzig) der europäischen Glasmachergefährten im CERFAV in Vannes-le-Chatel teil. Dort präsentiert er seine Werke lignum vitrum, eine Serie von zwanzig aus einem Baumstamm geblasenen Gläsern, und piloti: Dieses Objekt besteht aus einer Holzstruktur und einem Stück Glas und war ursprünglich als Schreibtischlampe konzipiert , kann aber in verschiedene Arten von Objekten zerlegt werden (Couchtisch, Aufbewahrungseinheit usw.).

Manuel Diemer kombiniert in seinen Werken Glas und digitale Technologien. In seinen Augen erlaubt ihm der Einsatz dieser neuen Technologien – dank ihrer einfachen Handhabung und großen Flexibilität – seine Kreativität zu erweitern. Vektorielle Zeichen- und 3D-Modellierungssoftware, numerisch gesteuerte Maschinen wie Laserschneidegeräte oder 3D-Drucker sind alles Werkzeuge, die der Künstler verwendet, um einzigartige Werke zu schaffen. Die Verwendung von Formen aus natürlichen Materialien (Holz, Pappe oder sogar Erde) gehört auch zu den Besonderheiten in der Arbeit des Künstlers. Auch die Herstellung von Einzelstück-Serien interessiert ihn. Der als repetitiv und systematisch wahrgenommene Vorgang des Formens hat jedoch auch etwas Zufälliges. Es ist diese unkontrollierbare Tatsache, die Manuel Diemer hinterfragt und die ihn fasziniert.