Feræ

Die künstlerische Arbeit der Fotografin Aurélie Scouarnec konzentriert sich auf Licht, Texturen und Emotionen. Ihre zwischen 2020 und 2022 entstandene Serie Feræ ist ein perfektes Beispiel dafür. Diese Fotografien, die in Wildtierauffangstationen in der Île-de-France aufgenommen wurden, verdeutlichen die Zerbrechlichkeit des Tierlebens und die Bemühungen des Menschen, es zu schützen und zu bewahren. Obwohl die Île-de-France eine stark urbanisierte Region ist, leben dort viele Wildtierarten zusammen, oft unter schwierigen Bedingungen.

Das Projekt, dessen Name auf Lateinisch „Wildtier” bedeutet, wurde in Zusammenarbeit mit der École nationale vétérinaire d’Alfort (Enva), dem Centre de soins, d’élevage, de réhabilitation de la faune sauvage (CSERFS) in Mandres-les-Roses und dem Verein Les Rémiges noires in Chennevières-sur-Marne durchgeführt. Es versetzt uns in den Alltag dieser Auffangstationen, in denen die Zeit still zu stehen scheint und verletzte Wildtiere gepflegt werden, bis sie wieder in die Freiheit entlassen werden können. Die Arbeit der Tierärzte, Pfleger und Freiwilligen steht im Vordergrund und wird von akribischen Handgriffen wie einem täglichen Ritual bestimmt: Pflege, Fütterung und Reinigung. Im Mittelpunkt dieser Serie steht auch das Wasser. Es reinigt, spendet Feuchtigkeit und heilt und unterstreicht damit die Bedeutung dieser alltäglichen Handlungen, die die Reinigung, die Feuchtigkeitsversorgung und die Heilung des Tieres symbolisieren. Die Fotografien des Künstlers zeichnen sich auch durch ein zartes Licht und gedämpfte Farben aus, die mit einem Spiel aus Enthüllungen und Verhüllungen arbeiten. Die auf Texturen fokussierten Aufnahmen zeigen die gepflegten verletzten Körper und schaffen einen Raum der Begegnung mit der Andersartigkeit der Tiere.

Aurélie Scouarnec

Geboren 1990 in Argenteuil (Frankreich) | Lebt und arbeitet in Paris (Frankreich)

Nach einer Ausbildung zur Logopädin wandte sich Aurélie Scouarnec der Fotografie zu, um das Unsichtbare an der Schnittstelle zwischen Profanem und Sakralem zu erforschen. Die autodidaktische Künstlerin, die ihre Technik bei Claudine Doury perfektionierte, untersucht die Beziehung zwischen Mensch und Nicht-Mensch. Ihr Ansatz verdeutlicht die engen Verbindungen zwischen Mythen, Volksglauben und Natur. Die Künstlerin beleuchtet das, was still, aber mit einer gewissen Kraft weitergegeben wird, und erforscht Gesten und Rituale, insbesondere durch Projekte wie Feræ oder Gwiskañ, wobei letzteres einen Blick hinter die Kulissen keltischer Kreise wirft.