Für die Sommersaison 2026 erhält der Künstler Nicolas Floc’h eine « Carte blanche » von der Fondation François Schneider. Das Werk des in der zeitgenössischen Kunstszene bedeutenden Akteurs befindet sich an der Schnittstelle von Wissenschaft und Bildender Kunst. Es definiert unsere Wahrnehmung des Lebendigen neu, indem es das Unsichtbare sichtbar macht. Die Ausstellung Hydroscape gibt Einblicke in Nicolas Floc’hs langjährige Arbeit. Weit entfernt von einer bloßen Dokumentation begreift er das Element Wasser als eigenständigen Lebensraum, mit seiner eigenen Architektur, seinen Wäldern, Wiesen und farbigen Nuancen, die den Zustand von Ozeanen und Flüssen preisgeben. In einem multidisziplinären Parcours mit drei Schwerpunkten tritt die Fotografie in einen Dialog mit Skulpturen, Installationen und Videos :
Die produktiven Landschaften: Die Wucht der großformatigen Schwarz-Weiß-Fotografien des Künstlers lässt uns in die Blatttang-Wälder und die schwindelerregenden Algenfelder der bretonischen und normannischen Küsten eintauchen. Indem er sich vom Pittoresken löst, erstellt Nicolas Floc’h eine präzise Typologie von Unterwasserlandschaften, deren biologische Realität sich heute im Wandel befindet. Durch das Spiel mit Maßstäben, zwischen der Totalen und Details, regt er uns dazu an, den Meeresgrund mit derselben geografischen Strenge zu betrachten wie unsere Landschaften.
Die produktiven Strukturen: Im Zentrum des Rundgangs enthüllt der Künstler die Ergebnisse einer Studie, die er zwischen 2010 und 2019 zu künstlichen Riffen in Japan, Portugal, Frankreich und Spanien durchgeführt hat. Fasziniert von diesen „Unterwasserstädten“, angelegt zur Unterstützung der Biodiversität, hat Nicolas Floc’h ein umfassendes fotografisches Inventar von ihnen erstellt. Wie umgekehrte Ruinen, die der Wiederbesiedlung des Meeresbodens dienen, erwachen diese Strukturen unter Wasser zum Leben. Die vom Künstler als Skulpturen im Maßstab 1:10 dargestellten Module lassen zudem die Vielfalt ihrer Formen entdecken.
Die Farbe des Wassers: Die Ausstellung gipfelt in der Auseinandersetzung mit der „Farbe des Wassers“ (La couleur de l’eau), einem 2016 initiierten Zyklus, in dem der Farbton der Wassermassen zu einem hervorragenden biogeochemischen Indikator wird. Die Farbe wird so zu einer lesbaren Landschaft, einem visuellen Archiv, das von den geologischen, biologischen und anthropogenen Aktivitäten eines Gebiets zeugt. Ein bisher unveröffentlichter Teil, der aus einem Kunstresidenz-Aufenthalt am Rhein im Jahr 2026 hervorgegangen ist, verankert diese Forschung im lokalen Kontext. Durch ein strenges Protokoll – Farbsäule, Oberflächenlinie und Farbraster – übersetzt der Künstler die Qualität des Flusses in echte malerische Monochromien.
Zwischen wissenschaftlichem Ansatz und bildnerischer Schöpfung verwandelt Hydroscape unseren Blick auf diese unsichtbaren Lebensräume. Das Wasser ist hier nicht länger ein bloßer Spiegel, sondern eine bewohnte Topografie, in der jede Struktur und jede Farbnuance zu einem Instrument wird, um ein Ökosystem im steten Wandel zu lesen.
Kuratorin: Sarah Guilain, Projektmanagement Kunst und Sammlung.
Die Abbildung : © Nicolas Floc’h, Paysages productifs, Initium Maris, île de Molène, – 4 mètres, 2019 I ADAGP, Paris, 2026
